Kosten

"Anwälte sind teuer!" - Davon sind viele überzeugt, auch die, die noch keinen Anwalt beauftragt haben. Viele haben Angst, sofort mit hohen Kosten konfrontiert zu werden, sobald sie einen Fuß in eine Kanzlei setzen oder eine erste Frage an den Anwalt stellen.

Was man Anwälten vorwerfen kann, ist eine gewisse Scheu, das Thema Kosten anzusprechen. Das mag verschiedene Gründe haben, je nach Anwalt, es gibt aber oft auch einen ganz banalen Grund: der Anwalt weiß am Anfang selbst noch nicht, was er am Ende berechnen darf bzw. berechnen muss.

Ganz frei sind Anwälte nämlich nicht, was ihre Bezahlung angeht. Es gibt ein Vergütungsgesetz, das nennt verschiedene Bemessungsfaktoren: etwa den "Umfang" der Angelegenheit, die "Schwierigkeit", die "Bedeutung" für den Mandanten usw. Und wie zeitaufwändig ein Mandat wirklich war, das weiß man erst hinterher.

Ein weiterer wichtiger Bemessungsfaktor ist der "Gegenstandswert", also der wirtschaftliche Wert der jeweiligen Angelegenheit. Manchmal ist dieser vom Gesetz vorgegeben, oft wird er aber erst am Ende eines Verfahrens vom Gericht festgesetzt, und dieser Wert ist dann auch für den Anwalt verbindlich.

Erfahrene Anwälte können meist schon am Anfang abschätzen, in welcher Größenordnung die Kosten wahrscheinlich liegen werden, gerade wenn sie sich auf einzelne Rechtsgebiete spezialisiert haben und deshalb immer wieder mit ähnlichen Konstellationen zu tun haben.

Fragen Sie mich, sprechen Sie mich darauf an, wenn ich es selbst nicht tun sollte.

Rechtsschutzversicherung

Wer über eine solche verfügt, sollte gleich zu Beginn eine Kopie der letzten Beitragsrechnung mitbringen, da darin meist alle erforderlichen Angaben enthalten sind, etwa die Person des Versicherungsnehmers, die Versicherungsnummer und die Reichweite der Versicherung (was ist versichert?).

Bitte vermeiden Sie, selbst eine Deckungszusage beim Versicherer einzuholen. Anwälte sind immer erfreut, wenn man ihnen Arbeit abnimmt, aber hier muss man vorsichtig sein, weil einige Versicherer sehr schnell zu dem Ergebnis kommen, dass kein Versicherungsfall vorliegt.

Bitte lassen Sie sich von Ihrem Versicherer keinen bestimmten Rechtsanwalt "empfehlen". Wen Sie beauftragen, das entscheiden allein Sie und nicht Ihr Versicherer. Bitte lassen Sie sich auch nicht am Telefon "mal schnell zu einem Anwalt durchstellen". Einige Versicherer haben Verträge mit Anwälten abgeschlossen, die in erster Linie den Interessen des Versicherers dienen. Und Sie wissen nicht, zu wem Sie durchgestellt werden.

Prozess- bzw. Verfahrenskostenhilfe

Wer keine Rechtsschutzversicherung hat und sich ein Gerichtsverfahren nicht leisten kann, kann Prozess- bzw. Verfahrenskostenhilfe beantragen. Diese Hilfe ist eine Sozialleistung, die nur dem gewährt wird, der wirklich bedürftig ist, und dies gegenüber dem Gericht nachweist. Sie ist häufig nur ein Darlehen, das Gericht setzt in der Regel eine Rate fest, die monatlich an die Gerichtskasse zu zahlen ist. Auf diese Weise tragen viele die Kosten letztendlich selbst.

Aus diesem Grund ist es manchmal einfacher, direkt eine Ratenzahlung an den eigenen Anwalt zu vereinbaren.

Für die Beantragung der Prozess- bzw. Verfahrenskostenhilfe ist ein bestimmtes Formular vorgeschrieben, in dem Angaben zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen zu machen sind, dieses muss vollständig ausgefüllt und mit Belegen an das Gericht geschickt werden.

Steuerliche Absetzbarkeit

Wenn Sie Arbeitgeber sind, sind Anwaltskosten normale Betriebsausgaben. Wenn Sie Arbeitnehmer sind und um Ihren Arbeitsplatz kämpfen bzw. Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis geltend machen, gelten die Kosten als Werbungskosten (Bundesfinanzhof, 09.02.12, VI R 23/10).

Scheidungskosten waren lange als außergewöhnliche Belastung absetzbar, auch für Unterhaltsverfahren und sonstige zivilrechtliche Verfahren galt dies, sofern die eigene Position erfolgversprechend war (Bundesfinanzhof, 12.05.11, VI R 42/10). Der Gesetzgeber hat dies 2013 eingeschränkt (§ 33 Abs. 2 Satz 4 EStG).

Dennoch sollten Sie Scheidungskosten gegenüber dem Finanzamt geltend machen und Einspruch einlegen, wenn diese nicht anerkannt werden. Es gibt einige Finanzgerichte, die sie weiterhin für absetzbar halten, der Bundesfinanzhof hat darüber noch nicht entschieden (Finanzgericht Köln, 13.01.16, 14 K 1861/15, Revision beim Bundesfinanzhof anhängig, VI R 9/16; Finanzgericht Münster, 19.06.15, 1 V 795/15 E; 21.11.14, 4 K 1829/14, Revision anhängig, VI R 81/14; Finanzgericht Rheinland-Pfalz, 16.10.14, 4 K 1976/14, Revision anhängig, VI R 66/14).