Scheidung

1) Was ist eine "schnelle Scheidung"?

Eine Bemerkung vorab: Im Internet zu findende Angebote für eine "schnelle Scheidung ohne Papierkram" sind häufig nichts wert. Eine "Internet-Scheidung" dauert genau so lange wie eine normale Scheidung. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, eine Scheidung zu beschleunigen:

Die größte Bremse ist das Trennungsjahr. Ein Scheidungsverfahren kann erst eingeleitet werden, wenn die Ehegatten bereits ein Jahr voneinander getrennt gelebt haben. Selbst dann, wenn auch der andere Ehegatte geschieden werden möchte. Der Grund: Der Gesetzgeber hofft, dass sich Ehegatten wieder versöhnen und zusammenbleiben. Ehegatten sollen davon abgehalten werden, beim ersten größeren Streit sofort einen Scheidungsantrag einzureichen.

Ob man tatsächlich schon ein Jahr getrennt gelebt hat, das werden Ehegatten im Scheidungstermin vom Richter gefragt. Bestätigen sie dies übereinstimmend, wird meist nicht weiter nachgefragt, es lässt sich auch schwer überprüfen. Deshalb haben Ehegatten hier einen gewissen Spielraum. Die Trennung kann auch innerhalb der Wohnung bzw. des Hauses erfolgen, die Trennungszeit beginnt nicht erst mit dem vollständigen Auszug eines oder beider Ehegatten.

Welche Schriftstücke werden benötigt? Nicht viele, fehlende Urkunden führen aber schon zur ersten Verzögerung. Eine Kopie der Eheurkunde ("Heiratsurkunde") sollte man besitzen, wenn man geschieden werden möchte, sie wird vom Anwalt mit dem Scheidungsantrag beim Gericht eingereicht. Gibt es Kinder, die in der Ehe geboren wurden, sollte man auch Kopien der Geburtsurkunden besorgen, jedenfalls solange die Kinder minderjährig sind.

Hat die Ehe länger als drei Jahre bestanden, muss der Versorgungsausgleich durchgeführt werden, der Ausgleich der Rentenanwartschaften. Dazu müssen beide Ehegatten ein bestimmtes Formular ausfüllen. Leider lassen sich einige sehr viel Zeit mit dem Ausfüllen, und dies führt zu einer Blockade der Scheidung. Wer schnell geschieden werden will, sollte das Formular schon zu Beginn, zusammen mit dem Scheidungsantrag beim Gericht einreichen.

Weitere Verzögerungen resultieren aus weiteren Anträgen. Möchte ein Ehegatte den Unterhalt für die Zeit nach der Scheidung geklärt haben, kann er dies im Scheidungsverfahren beantragen. Gleiches gilt für den Zugewinnausgleich, also den Ausgleich des in der Ehe erzielten Vermögenszuwachses. Sinnvoll ist das nicht, weil es teilweise zu einer extremen Verzögerung führt, es wird aber gerne als taktisches Mittel eingesetzt.

2) Zwei Ehegatten, eine Scheidung - ein Anwalt?

Wollen beide Ehegatten, dass ihre Ehe geschieden wird, liegt es nahe zu sagen: Wir brauchen nur einen Anwalt, denn wir haben ein gemeinsames Ziel.

Geht das? Ja, aber nur mit Einschränkungen. Es reicht, wenn einer der Ehegatten den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreicht. Das kann er in Deutschland nicht selbst, sondern nur über einen Anwalt. Der andere Ehegatte muss keinen zweiten Anwalt beauftragen, wenn er lediglich geschieden werden möchte. Er muss nur einmal ausdrücklich der Scheidung zustimmen, im Gerichtstermin, persönlich und mündlich. Dafür benötigt er keinen eigenen Anwalt.

Wenn Ehegatten so etwas planen, müssen sie entscheiden, wer den Anwalt beauftragt. Der Anwalt ist zur Parteilichkeit verpflichtet, er darf nicht beide beraten oder vertreten. Ich selbst mache es so, dass ich schon das Erstgespräch nur mit einem der beiden Ehegatten führe. Sobald der Scheidungsantrag eingereicht ist, wird das Gericht immer beide Seiten über alles informieren, es ist also kein Ehegatte davon abhängig, dass er vom anderen etwas erfährt.

Das Ganze hat aber auch Nachteile, und diese können in Einzelfällen schwerwiegend sein:

Wenn nur ein Ehegatte die Scheidung beantragt, kann er das Verfahren beenden, indem er den Antrag zurücknimmt. So etwas hat oft taktische Gründe: Sollte der Antragsteller feststellen, dass er ausgleichspflichtig ist, also Vermögen abgeben muss, könnte er auf die Idee kommen, das Verfahren später neu zu beginnen, zu einem Zeitpunkt, in dem Teile seines Vermögens nicht mehr vorhanden, in einigen Fällen muss man sagen: nicht mehr auffindbar sind.

Man kann auch keine eigenen Anträge stellen. Wer Zugewinnausgleich oder Unterhalt haben möchte, braucht einen eigenen Anwalt. Wer alleine in den Termin geht, kann "Ja" sagen, zum Scheidungsantrag des anderen Ehegatten, mehr aber auch nicht.

Rechtsanwalt Lars Finke, LL.M., Duisburg